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Gin: Herstellung, Destillation und wichtige Zutaten

Urspruenglich am 03/06/2021 auf Licorea.es veroeffentlicht.

Kompakter Leitfaden zur Gin-Herstellung: Neutralalkohol, Gärung, Destillation, Wacholder und Botanicals für Aroma, Stil und Balance im Glas.

Gin gehört zu den vielseitigsten Spirituosen klassischer Cocktails. Sein Charakter entsteht aus hochprozentigem Neutralalkohol, der mit Wacholderbeeren und weiteren Botanicals aromatisiert wird, etwa Zitrusschalen, Gewürzen, Wurzeln, Blüten, Kräutern oder Früchten.

Moderner Gin entwickelte sich als englische Antwort auf niederländischen Genever. Daraus entstanden trockenere, kräftigere Destillate mit klarerem Aromaprofil. Heute gibt es viele Stile, doch Wacholder bleibt die Zutat, die Gin definiert.

Die Alkoholbasis

Am Anfang steht neutraler Alkohol. Die meisten Hersteller gewinnen ihn aus Getreide wie Mais, Roggen oder Gerste. Grundsätzlich eignen sich aber auch andere Rohstoffe mit vergärbarem Zucker, etwa Zuckerrohr, Trauben, Kartoffeln, Reis oder Äpfel.

Bei Getreide beginnt der Prozess häufig mit dem Mälzen. Das Korn wird angefeuchtet, damit die Keimung einsetzt und Enzyme Stärke in vergärbaren Zucker umwandeln. Warme Luft stoppt danach die Keimung; zurück bleibt Malz, aus dem die Zucker gelöst werden.

Gärung und Destillation

Die Getreidemaische vergärt mit Hefe bei kontrollierter Temperatur. Dabei entsteht ein alkoholarmes Getränk, ähnlich einem Grundbier. Bei Trauben oder Zuckerrohr lässt sich die süße Flüssigkeit direkter durch Pressen oder Saftextraktion gewinnen.

Die Destillation trennt Alkohol von Wasser und anderen Stoffen über unterschiedliche Siedepunkte. Alkohol siedet bei rund 78,2 °C, also früher als Wasser. Seine Dämpfe werden aufgefangen, gekühlt und zu einem reineren Destillat kondensiert.

Botanicals und Wacholder

Ist die Alkoholbasis bereit, folgt die Aromatisierung. Wacholderbeeren sind unverzichtbar, damit die Spirituose als Gin gilt. Jede Brennerei ergänzt sie mit eigenen Botanicals wie Zitronen- oder Orangenschale, Koriander, Angelikawurzel, Iriswurzel, Kardamom, Zimt, Blüten oder Kräutern.

Die Aromen können durch Mazeration, Dampfinfusion oder eine Kombination beider Methoden extrahiert werden. Oft wird die aromatisierte Basis erneut destilliert, wodurch flüchtige Aromen gebündelt werden und ein klarer, sauberer Gin mit hohem Alkoholgehalt entsteht.

Finale Einstellung

Nach der letzten Destillation kann Gin 70% bis 80% Alkohol erreichen. Vor dem Abfüllen wird er mit gereinigtem Wasser oder Mineralwasser auf Trinkstärke gebracht. Dieser Schritt beeinflusst Textur, Aromendichte und Balance.

Deshalb können zwei Gins mit ähnlicher Basis sehr unterschiedlich schmecken. Botanicals, Extraktionsmethode, Destillationsschnitte und Wasser bestimmen, ob der Stil trocken, zitrisch, würzig, floral oder klassisch wacholderbetont wirkt.